Streunerpfade, Impressionen und Begegnungen irgendwo zwischen Nord- und Suedamerika
Montag, 3. Mai 2010
Leben und Sterben in den Hot Springs 1
Branden und ich lagen seit einer halben Stunde im Sand & konnten nichts weiter machen als lauthals dem Sternenhimmel ueber uns entgegenzuprusten. Ich versuchte mich auf etwas anderes zu konzentrieren, da ich langsam schon gar keine Luft mehr bekam. Wie er es hinbekommen hat diesen Horror-Serpentinen-Weg mit seinen tausend Schlagloechern oder vielmehr -graeben zu meistern, war mir ein echtes Raetsel. Ich hatte die ganze Zeit das Gefuehl, dass wir zwischen dem Geroell unkontrolliert hin und her schwammen und durch eine unbestimmte Kraft die Huegel hoch und runter gezogen wurden. Aber Brandens Aussage, er haette das Gefuehl, er waere in einem spektakulaerem Videospiel gelandet, wies zumindest daraufhin, dass er sich noch als einflussnehmender Spieler in diesem ganzen Szenario sah. Letztendlich erreichten wir auch den Highscore, fuhren irgendwie so am Abgrund lang, dass wir ohne *Restart the game*-Button auskamen und mit dieser Erkenntnis, wurde auch noch die letzte zweifelnde Ecke in einem weit entfernten Teil meines Gehirns auf Standby gesetzt.

Wir rollten uns noch einmal quer ueber den Boden und entschlossen uns aufzubrechen. Schliesslich war es schon 1 Uhr nachts & wir hatten noch einen ziemlich weiten Weg vor uns. Wir waren die Strecke schon einmal gelaufen und so hatte ich zumindest den Hauch einer Hoffnung, dass wir uns nicht komplett in den Bergen bzw. in der angrenzenden Wueste verlaufen wuerden. Wir waren bei den Hot (Fossil) Springs in Camp Verde, 3 Stunden noerdlich von Phoenix, Arizona und in der Naehe von Staedten mit so wundervollen Namen wie Strawberry und Sunflower. Nachdem Branden seinen ersten Ueberraschungsschock ueberwunden hatte, wir gemeinsam durch Phoenix gestreift waren und uns die Ohren vollgequatscht hatten, brachen wir Montagabend hierher auf und waren schon einmal den langen Weg zu den Hot Springs hochgepilgert - eine kleine Quelle, die in 2 winzigen Steinbaedern muendet, eingelassen in den Boden einer schmalen Empore hoch oben in den Bergen. Von hier hatte man einen grandiosen Blick auf die vielfaeltige Vegetation & den direkt davor liegenden, reissenden Fluss. Es gibt Geruechte, dass dies ein geheimer Treffpunkt bekannter Hippiegroessen in den 60er und 70er Jahren gewesen sei. Den Steinbemalungen nach zu urteilen gab es hier auf jeden Fall einige, die *Love, Peace and Insanity* als oberste Lebensmaxime heraufbeschworen (hatten).

Auf jeden Fall war es ein exquisiter Platz, der aufgrund seiner Abgeschiedenheit und der eher schwierigen und langwierigen Anreise alles andere als ueberlaufen war. Man traf hier eher auf wilde Camper, die eine wahnwitzige Story nach der naechsten aus dem Aermel schuettelten. Einem solchen sympathischen Camperpaerchen in den 40ern hatten wir zu einem grossen Teil auch den Verlauf unseres heutigen Abends zu verdanken. Als wir uns gestern von uns verabschiedeten drueckten sie uns noch breit grinsend ein paar Pilze in die Hand, die wir natuerlich dankend entgegen nahmen (aus Indien hatte ich mir angewoehnt Geschenke NIEMALS abzulehnen! :) Der Plan war fix klar: wir hatten noch ein paar Sachen in Phoenix zu erledigen, wuerden dann aber schnurstracks zurueck kehren um die Hot Springs bei Nacht zu erleben und weiter in Richtung Grand Canyon zu pilgern.

Geplant, getan. Mittlerweile hatten wir gut die Haelfte der Strecke zuruckgelegt und befanden uns am Schneidepunkt unserer Wuestenwildniswanderung. Die riesen Baeumen mit ihren bis zum Boden haengenden Schlingpflanzen hatten uns bereitwillig Platz gemacht, die Kakteen mit ihren, wie es schien immer zum Salut bereiten Stachelarmen hatten uns vielmehr sogar noch den Weg gewiesen, aber der reissende Strom vor uns schien uns eher weniger wohlgesonnen und spuckte wilde Drohungen aus. Jetzt hiess es: volle Konzentration! Wir schluepften aus unseren Schuhen und visierten das 10 m entfernte Ufer im Dunkel an. Schritt fuer Schritt tapsten wir auf den glatten und rutschigen Steinen vorwaerts bis wir knietief im Wasser standen. Das Wasser peitschte gegen unsere Beine und haette ich mich nicht an Branden festgehalten, waere ich schon laengst mitgerissen wurden. Branden hatte aufgrund seiner Groesse noch einen gewissen Vorteil, aber auch er hatte ziemlich zu kaempfen und verlor Sekunde um Sekunde an Boden. Schliesslich steckten wir fest. Wir mussten alle Kraft darauf verwenden, nicht fortgerissen zu werden und konnten uns keinen Zentimeter mehr zur Seite bewegen. Dafuer rutschten wir immer weiter flussabwaerts und entfernten uns von der Stelle, die gerade noch geeignet zu sein schien ohne groessere Schuerfwunden ans Ufer zu gelangen. Fuer einen Moment sah ich uns den Kampf gegen die Naturgewalt schon verlieren und mit der Stroemung mitgezogen werden, als mir irgendeine innere Stimme befahl mich um die eigene Achse zu drehen. Ich glitt noch einen Schritt nach hinten, wirbelte herum und zog Branden mit mir. Von einer Sekunde zur naechsten aenderten sich die Energiestroeme und die Natur schien nicht mehr gegen uns zu arbeiten, sondern entliess uns sanft auf die andere Seite.

Ich war fix und fertig. Meine Stimmung hatte sich von *lass uns eins mit der Natur sein* hin zu *lass uns das hier ueberleben* entwickelt. Jegliches Stueck Stoff an meiner Haut trifte vor Wasser und die naechtliche Kaelte kroch mir den Ruecken hoch. Ich war in einem kompletten Survivalfilm gefangen und ratterte im Kopf einige Loesungsstrategien ab. Wechselklamotten? Keine dabei. Decke? Natuerlich nicht. ETWAS ZU ESSEN? Wir hatten noch einen halben Liter Wasser...

Nach einer weiteren halben Stunde Fussmarsch erreichten wir endlich die Hot Springs. Doch ich traute meinen Augen kaum: Der erste Badezuber war bis auf eine 10cm Pfuetze komplett leer!


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hey! sehr spannend! keep it comin ;-)
wünsch dir noch viel spaß und ne gute zeit.
lg aus lg clemens

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Letzte Aktualisierung: 2010.09.03, 21:47
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