| Streunerpfade, Impressionen und Begegnungen irgendwo zwischen Nord- und Suedamerika |
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Freitag, 3. September 2010
Menschenrechte in Mexiko
tinetunes, 21:47h
Ein Freund mit dem ich durch Mexiko reiste war Teil einer Human Rights Observer Karawane Oaxaca als von ungefaehr 20 schwer bewaffneten Personen das Feuer auf sie eroeffnet wurde. Unglaublich aber wahr- das ist die aktuelle Menschenrechtssituation in Mexiko...
http://www.chiapas98.de/ua2.php?id=76 http://www.npla.de/de/poonal/2875-das-drama-von-san-juan-copala http://mywordismyweapon.blogspot.com/2010/04/my-friend-bety-carino-was-killed-by.html http://libcom.org/news/dream-san-juan-copala-claudio-albertani-08052010 ... link (0 Kommentare) ... comment Samstag, 28. August 2010
Mexico, immer wieder Mexico... Einreisestempel? GOT IT!
tinetunes, 20:24h
So, das ist doch nochmal gut gegangen... Im Juni war ich zusammen mit Luis, meiner mexikanischen Dschungelbekanntschaft von Palenque, Mexico zum Lago Atitlan, Guatemala getrampt. Mein Pass war einigermassen geflickt, nach einem 2-taegigen Behoerden-Wirr-Warr in Mexico City. Ich hatte keinen Einreisestempel, aber ein Touri-Visa. Luis dagegen hatte gerade mal eine ID-Card, eigentlich ausreichend um als Mexikaner nach Guatemala einzureisen. Die Seite Guatemalas bereitete ihm auch kein Kopfzerbrechen, wohl aber die Mexicos... Ein paar Monate vorher hatte er Informationen fuer Mitglieder der Zapatista ausgetauscht und zudem war er gegen verschiedene Privatisierungsbestrebungen im Lande politisch vorgegangen. Was auch immer der Grund gewesen sei, eines Tages Anfang des Jahres wurde er auf jeden Fall zusammen mit seinem Bruder auf der Strasse von der Polizei aufgegriffen und zu verschiedenen Vorgaengen befragt. Nach mehreren Stunden Befragung, die anscheinend nicht ergiebig genug verliefen, drehte sich der Inhalt der Befragung urploetzlich von politischen Aktivitaeten hin zu der Frage, wie sie zu den Drogen in ihren Taschen kamen. Luis und sein Bruder wussten mit der Frage nichts anzufangen und mussten hilflos mit ansehen, wie Ihnen Beamte Paeckchen mit Gras und Haschisch praesentierten, die sie vorgaben in den vorher eingezogenen Taschen gefunden zu haben. Sie beide landeten fuer mehrere Wochen im Gefaegnis bis ihr Vater kam um die Bewaehrungsstrafe zu zahlen. Immer noch unter Bewaehrung fuer etwas, was er nicht getan hatte, war es Luis eigentlich nicht erlaubt, das Land zu verlassen. Wir entschieden daher bei La Mesilla ueber die Grenze zu Guatemala zu laufen. Und trotzdem wir einen Militaerstuetzpunkt durchqueren mussten, verlief alles gut und die Soldaten zeigten eher ueberaus freundliches Interesse darin, wohin unsere Reise geht. Zu meiner Ueberraschung gaben mir die Officials in Guatemala sogar einen Einreisestempel, empfahlen mir aber, die Grenze nochmal zu ueberqueren und den Ausreisestempel zu holen. Also machte ich mich auf zum mexikanischen migracion office. Um es kurz zu halten- der Beamte dort bestand darauf 25 Dollar gezahlt zu kriegen, obwohl ich wusste, dass ich nichts zahlen musste. Nach minutenlangen Diskussionen entschied ich es sein zu lassen- ich wuerde so schnell nicht nach Mexiko zurueck kehren und hatte bereits den Einreisestempel nach Guatemala, also lief ich zurueck nach Guatemala.
Wie sollte man sich taeuschen.. Bei dem Versuch meinen Flug umzubuchen stellte sich heraus, dass die naechste Moeglichkeit auszufliegen Mexico war. Es hiess also: zurueck in ein Land in welchem ich offiziell noch nie war. Gott sei Dank ist das Tourivisum nur ein kleines Blatt Papier, welches auf keine Art und Weise an den Pass gehaftet wird. Per Boot reiste ich also von Guatemala nach Mexiko an der Frontera Corozal, reichte meinen Pass den Grenzbeamten und dieser haendigte mir ein neues Touri-Visa (ohne dafuer Geld zu verlangen) UND JAGTE MIT VOLLER WUCHT DEN EINREISESTEMPEL AUF DIE LETZTE SEITE MEINES PASSES. Vollends legal im Land des Tequillas und damit gute Chancen auf meine Rueckreise in ein paar Tagen! Yieepiiiehhhhh! ... link (0 Kommentare) ... comment Donnerstag, 5. August 2010
aktuell in ...
tinetunes, 00:48h
... Costa Rica um mit einem verrueckten Franzosen die Glaubwuerdigkeit verschiedener Fair Trade zertifizierten Kooperativen zu untersuchen und um die Natur zu umarmen ;)
![]() ... link (3 Kommentare) ... comment Dienstag, 27. Juli 2010
Bluefields - Arbeit im Steinbruch und die Hoffnung auf Bildung
tinetunes, 21:40h
Es gibt noch unzaehlige Beitraege in der Pipeline, die meisten schon angefangen und offline gespeichert, aber gerade liegt mir diez am meisten am Herzen:
Bin gerade in Bluefields, einem Staedtchen an der karribischen Kueste Nicaraguas. Es gibt hier so ungefaehr 20 verschiedene ethnische Gruppen die versuchen gut miteinander auszukommen. Dominant sind dabei vor allem die so genannten Creolen und Einwanderer von Jamaika. Der Grossteil der Kuestenlinie war nie Kolonie Spaniens , sondern wurde als Schutz vor eben den spanischsprachigen Eroberern Grossbritannien unterstellt. An vielen Orten wird daher auch “Englisch” gesprochen (Yaaa Braaaaa…) und es gibt einen hohen Anteil Farbiger. In den umliegenden Doerfern wird teilweise nur die indigene Sprache gesprochen (Miskitu, Rama). Der Zufall wollte es, dass ich durch eine Bekanntschaft am Hafen in Kontakt kam mit Referent Merando, der in der Mitte der Stadt mit seiner Familie in einem nie fertig gestellten Hotelgebaeude untergekommen ist. Wir tauschten uns viel ueber die Region aus und er lud mich ein die Schule kennenzulernen, die er in einem Aussenbezirk der Stadt mit Hilfe von Spenden und vor allem durch persoenliches Engagement aus dem Boden gestampft hat. Momentan werden dort 60 Schueler unterrichtet. Seine eigene Tochter ist eine der Lehrerinnen. Ansonsten gibt es noch eine zweite Lehrerin. Mindestens ein weiterer Lehrer waere notwendig, aber keiner weiss, wie dieser bezahlt werden soll. Dabei kommen noch nicht mal alle Kinder aus dem Bezirk dort in die Schule. Die meisten muessen tagsueber mit im nahe gelegenen Steinbruch arbeiten. Insgesamt 75-80 Familien sind von dieser Arbeit hier abhaengig, da es die einzige Einnahmequelle ist. Die Arbeit ist denkbar hart: mit einer Spitzhacke muessen die Steinbrocken aus dem Fels geschlagen werden um dann mit einem Hammer auf Kieselgroesse zerkleinert zu werden. Pro Eimer gibt es dabei ca. 5 Cordoba (ca. 17 Cent). Ein aufgebrachter Vater erzaehlt mir, dass es aber auch schon oft vorkam, dass sie gerade einmal 3 Cordobas pro Eimer bekamen. Die Juengste die ich in dem Steinbruch treffe ist gerade mal 7 Jahre alt. Sie half ihrer Mutter bereits mit 3 Jahren. Da war sie noch zu ungeschickt um einen Hammer zu halten und versuchte daher die Steine mit ihren blossen Haenden zu zerschlagen. ![]() Unter Bilder finden sich Photos mit weiteren Erklaerungen (einfach mit Cursor auf entsprechendes Photo gehen --> gibts uebrigens auch bei den anderen Foldern). Der Referent versucht ein Foodprogramm fuer die Schule zu organisieren, damit die Kinder schon aus diesem Grunde zur Schule geschickt werden. Wer Kontakte, Adressen, Ideen, etc. fuer Unterstuetzung hat kontaktiert mich gerne. Dann gibt es auch ein paar ausfuehrlichere Infos zur Situation hier vor Ort. ![]() ... link (3 Kommentare) ... comment Sonntag, 25. Juli 2010
Es geht weiter...
tinetunes, 06:59h
... siehe unten "Dschungelkrankheit".
... link (0 Kommentare) ... comment Samstag, 3. Juli 2010
Aufgetaucht..
tinetunes, 23:14h
Liebe Leut´s,
bin wieder aufgetaucht, nach Wochen in einem Ashram, Tagen auf der Strasse und unzaehligen Stunden voller Fieber, Wahrnehmungsstoerungen und blutender Nase habe ich jetzt all meine Energie zurueck und werde ein wenig davon auch wieder in diesen Blog stecken. Ein paar Kleinigkeiten sind schon getan, so finden sich unter Bilder nun wahrlich ein paar Reiseimpressionen und in den naechsten Tagen werde ich dann auch versuchen die letzten knapp 1 1/2 Monate in Worte zu fassen. Auf jeden Fall erstmal vielen Dank fuer die zahlreichen Geburtstagsmails mit Bildern, Liedern und guten Geschichten aus der Heimat. Es tut so gut zu hoeren, was gerade passiert in eurem Leben. Tut mir leid, dass ich noch so gut wie keinem geantwortet habe. Hiermit also erstmal ein fettes Dankeschoen und einen dicken Knutscher und ich gelobe Besserung und demnaechst wieder mehr Infos! Die dicksten Gruesse aus Guatemala Tine ... link (2 Kommentare) ... comment Die Dschungelkrankheit
tinetunes, 21:18h
"Welcome to paradies!" Rocho, eine menschliche Kugel mit feuerrotem Haar grinste mich breit an. Er fuehrte mich zum hinteren Teil des wahrhaft paradiesisch anmutenden Gelaendes, auf dem ich fuer eine Nacht unterkommen wollte. Strohdaecher bestimmten das Bild. Strohdaecher auf Pfaehlen unter denen die verschiedenstfarbigen Haengematten hin und her wippten. Ich war gerade angekommen und teilte nicht wirklich Rochos Langsam- und Genuegsamkeit. Ich hatte ein Ziel, welches es so schnell wie moeglich zu erreichen galt.. Ich verlangsamte meinen Schritt und gab Rocho trotzdem mein geduldigstes Laecheln- einen Menschen wie ihn konnte ich mir ehrlich gesagt gar nicht *in schnell* vorstellen. Seine Augen waren erfuellt von einem wissenden Glitzern, welches sich mir erst spaeter erklaeren sollte. Er breitete die Arme aus, atmete tief ein und sagte simpel aber mit einem geheimnisvollen Unterton: "Here we are."
Ich war auf einem Zwischenstop in der Naehe von Palenque. Dies sollte die letzte Station sein, bevor ich die Grenze zu Guatemala ueberqueren wollte. Ich hatte bereits ein Busticket fuer den naechsten Tag & wollte hier nur einen Abstecher machen, um die Mayatempel zu besichtigen, die mir von vielen empfohlen wurden waren. Ich befestigte meine Haengematte zwischen den Pfaehlen, legte Backpack und meine unglaublich schrecklich klingende Gitarre ab. Dann pruefte ich noch schnell was ausser Zahnpasta & Unterwaesche noch so alles aus der Aussentasche meines Rucksacks vom Dach des Chickenbusses gesegelt ist. Nichts dramatisches, ich konnte also zu den Ruinen sprinten. Es war bereits spaeter Nachmittag und ich hoffte meinen Weg dorthin schnell zuruecklegen zu koennen und... Meine Hoffnung starb 10 Minuten spaeter mit Arnado. Er war einer der Guards des Nationalparks & ueberhaupt nicht gewillt mich einzulassen. Vor ein paar Jahren wurde festgelegt, dass keiner mehr die Ruinen nach 4 besichtigen duerfe und die Zeiten als hier noch Nachts die Haengematten zwischen den Mayatempeln aufgespannt wurden schienen endgueltig vorbei. Die Zeiten das einer verzweifelten Chica Einlass gegeben wird, ebenso. Flehen, diskutieren, betteln - half alles nichts...Auf sein Angebot mir nach Einbruch der Dunkelheit eine persoenliche Tour zu geben konnte ich dankend verzichten... Hmmppfff... Es fuehrte nur diese eine Strasse da hoch & selbst die galt es noch 2 km zu folgen. Ansonsten war das Gebiet von Dschungel umgeben - eben der Dschungel, der auch an unsere Hammock-Dockingstation grenzte... "Hey- does anybody know how to cross the jungle to get to the ruins?" Vom Paradies beseelte, leicht traege Augenpaare schauten mich an, im Takt der Haengematte hin und her wippend. "Yeah, but it+s nearly impossible- it+s more than 1 hour of walk on a path which is hardly marked- you really need to know the way! And there are fucking animals in there, as well as the military is. When they get u- u are fucked!" antwortete - unverkennbar - ein Franzose. So schnell wollte ich mich nicht von meiner Tagesmission abbringen lassen... "Hmmm.. but there shall be a ruin which is a little bit closer than the others - did anybody of u went there?" hakte ich nach. Kopfgeschuettel von allen Seiten, mit Ausnahme des mir gegenueber ¨haengenden¨ Wuschelkopfs. "You want to go there?" "Yeah!" "When?" "Now!" "Oh- okay.." 10 Minuten spaeter krabbelten wie durch ein Loch im Zaundickicht & binnen eines Wimpernschlags aenderten sich Luftfeuchtigkeit und Geruch unserer Umgebung. Hinter uns schloss sich der dichte Vorhang aus Lianen und Gestruepp & wir betraten eine andere Welt. Ich war noch nie im Dschungel & ich sollte gut damit bedient sein keinerlei Vorstellungen zu haben, was es hiess diesen zu betreten. So tapste ich naiv und nichtsahnend durch das Pflanzenwirrwar, kletterte ueber umgestuerzte Baumstaemme um kleine Schluchten zu ueberqueren & huepfte frohen Mutes durch mehr oder weniger grosse Tuempel. "What is this sound?" Direkt neben uns schien eine Zeitbombe gezuendet worden sein - ich hoerte ein rhytmisches *Tick ... Tick ... Tick* unweit von uns & dies schien fuer mich ein gar nicht dschungeltypisches Geraeusch. Hatte das Militaer kleine Fallstricke mit Rauchbomben platziert um verrueckte Touris wie uns davon abzuhalten die Ruinen durch den Dschungel zu erreichen? Die Warnungen der Anderen hallten noch in meinen Ohren. Der mexikanische Wuschelkopf der ansonsten eher Luis genannt wurde, unterbrach meine wirren Gedanken. "Oh- this *Tick, tick*-Sound? Well, yeah, this is one of the most poisoned snakes in here. Try to stay away from this sound!" Try to stay away? Fuer mich klang es, als wuerden wir mitten auf dieser tickenden Zeitbombe stehen. Die Geschwindigkeit des Tickens hatte sich jetzt sogar verschnellert. Es klang als haetten wir noch genau 10 Sekunden bis wir in die Luft fliegen wuerden bzw. bis ein ekliges langes Etwas sich selbst durch die Luft katapultieren wuerde um uns Gift in die Adern zu schiessen. "Don´t worry, they just defend themselves, they never attack." Hmmm... Irgendwie konnte mich das nur geringfuegig beruhigen, da ich nicht ganz sicher war, wie eine Schlange herausfinden sollte, dass ich *NUR AUSVERSEHEN* auf sie draufgetreten war und damit absolut keine Notwendigkeit fuer sie besteht, sich zu verteidigen. Ich war noch damit beschaeftigt mir eine Strategie zu ueberlegen, wie ich in Sekundenschnelle auf einen solchen *uuppss, war ein Versehen-Verteidigungs-Move* reagieren koenne, als ein markerschuetterndes Bruellen den Dschungel und meine Gedanken durchkreuzte. Ich blieb wie erstarrt stehen. Das klang alles andere als freundlich & vor allem klang es nach einem grossem Gebiss. Es war so beeindruckend und beaengstigend, dass ich sofort jeglichen Gedanken an die bisher groesste Gefahr vergass und mich unsicher umschaute. Was verdammt war das und was hatte ich mir eigentlich dabei gedacht hier rumzustelzen? Ich hatte keine Ahnung wo ich war & so einfach mit umdrehen und rennen war es in diesem Irrgarten nun wirklich nicht. Ich hatte keinerlei Orientierung. Alles war nur verwirrend voll mit exotischen Pflanzen & angsteinfloessenden Geraeuschen. Alleine hatte ich keine Chance hier wieder raus zu finden und dies beruecksichtigte nicht einmal die Tatsache, dass es langsam dunkel wurde und man in einer Stunde wohl nicht mal mehr einen Kaktus von einer Schlingpflanze unterscheiden wuerde koennen (nicht dass ich einen Kaktus im Dschungel gesehen haette, aber es gibt nette Baeumchen deren Aeste gespickt sind mit kleinen Widerhaken, sodass man einen ganzen Tag damit verbringen kann diese Biester aus den Haenden zu ziehen weil man sich dem Irrglauben hingab das koennte ja ein gutes Stueck Holz sein um sich festzuhalten, ein schwieriges Stueck Weg hochzuziehen, etc.). "We should hurry up!" sagte Luis und beschleunigte seinen Schritt. So weit war ich - instinktiv - auch schon! Aber was dieses Bruellen nun genau bedeutete und aus welchem Maul es kam war mir immer noch nicht klar. Ich registrierte jedoch, dass es immer lauter und wuetender zu werden schien. Und dann hoerte ich das Unheil nicht nur heran nahen, sondern sah es auch: Zu unserer Linken hatte sich eine Affenbande formiert uns ein paar Takte zu erzaehlen. Ich war ziemlich zwiegespalten. Zum einen war ich froh, dass es "nur" Affen waren, zum anderen wirkten diese Affen genauso bedrohlich wie ein paar ausgewachsene Baeren. Sie erreichten zeitgleich mit uns den Wasserfall und beobachteten jede unserer Bewegungen. Fuer den Moment schienen sie beseelt - ich wusste nicht ob es damit zu tun hatte, dass wir uns schlicht nicht weiter in ihr Revier rein bewegten oder damit, dass Luis auf die Knie gegangen war und kryptische Phrasen ausstiess, die - so entnahm ich seinen Erklaerungen - darauf abzielten den Dschungel um Bleiberecht & ´good spirits´ zu bitten. Das hatten wir bitter noetig. Das Affengeschrei schwoll wieder an & diese ausgewachsenen Viecher, die mir stehend bestimmt bis zur Brust gingen kamen immer naeher. Ein Affenmaennchen war jetzt nur noch gut 15 Meter entfernt & bruellte was das Zeug hielt in unsere Richtung wobei er unfreundlich die Zaehne bleckte. "Take a stick" sagte Luis und hielt mir einen fetten Knueppel vors Gesicht. Aus irgendeinem Grund dachte ich in diesem Zusammenhang an ein Begruessungsritual und machte mich bereit mit leicht gebueckter Haltung mit dem Stock auf den Boden zu stampfen & den Affen mein breitestes und freundlichstes Grinsen (ohne Zaehne) zu schenken! (Wie ich diese Idee in meinen Kopf kriegte- ich hab bis heute keine Ahnung..) Sicherheitshalber fragte ich nochmal nach: "So, what am I supposed to do with this stick Luis?" "Fight!" "Fight?!?!?" meine Stimme klang glaube ich etwas schrill in diesem Moment. "But I don´t want to fight! I am sorry for being in their territory & if they don`t want us here & we are not welcomed maybe then we shoulkd just leave..?!" Ich hatte ein paar Dinge auf meiner To-Do-Liste, aber mit einem ausgewachsenen Affenmaennchen zu kaempfen gehoerte definitv nicht dazu. Meine Augen wanderten nervoes von Knueppel zu Affenmaennchen zu Luis zurueck zum Knueppel in meinen Haenden. "Good, then we should leave now" ressuemierte Luis und dem konnte ich nur beipflichten, hatte unser liebreizendes Affenmaennchen nun sogar damit begonnen Aeste aus den Baeumen zu reissen und in unsere Richtung zu schleudern... Eine knappe Stunde spaeter hielt ich einen Telefonhoerer in meinen Haenden. "Hey Sir- the busticket I bought for tomorrow.. Is it maybe possible to postpone it?" ... link (0 Kommentare) ... comment Mittwoch, 19. Mai 2010
Get to know Mexico City oder: von der illegalen Einwanderin zur legitimierten Touristin in beinahe 48 Stunden 1
tinetunes, 23:20h
Den zweiten Abend den ich in Mexico City verbrachte, erzaehlte ich meiner Schweizer Zimmernachbarin von meinem Passproblem. Ihre Reaktion: "Oh verdammt? Dir ist das auch passiert? Weisst du was? Oben sitzt ein Kanadier, der hat genau das gleiche Problem!"
"DER KANADIER IST IMMER NOCH HIER???" (sich auf Leute mittels der/die Form + Nationalitaet zu beziehen ist aeusserst daemlich und unhoeflich, aber da mir bisher keiner seinen Namen nennen konnte war er fuer mich bis zu diesem Zeitpunkt immer *DER KANADIER, der die mexikanische Grenze zu Fuss ueberquerte und nun zum zweiten Mal...*) "Ja- eigentlich sollte er heute Morgen zurueck nach Kanada fliegen (...tatsaechlich!...), aber..." Ich sprintete die Treppen hoch. "Who is the Canadian who missed his flight back home two times due to his passport issues?" steckte ich meinen Kopf raus auf die Dachterasse der groessten Jugendherberge, die ich je in meinem Leben zu Gesicht bekommen hatte. Draussen: ein Mix verschiedenster Nationalitaeten und eine Spannbreite von 'serious traveller' hin zu 'Partyvolk' (Leider in der Mehrzahl. Es war das dritte oder vierte Mal in meinem Leben, dass ich in einer Jugendherberge Unterschlupf fand und ich entschied, es bei diesen raren Erfahrungen zu belassen. Mein Zeug war bereits fuers Auschecken am naechsten Morgen gepackt). Ein junger, spitzbuebischer Typ grinste mich breit an und erzaehlte seine Story mit sehr viel Galgenhumor. Waehrend alle anderen sich den Bauch hielten machte ich mir ab und an Notizen, wo auch ich Station machen wuerde die naechsten Tage. Nein- nicht nur ich: auch Elanois and Elanois aus Kanada, 2 Maedels die per Bus aus Guatemala eingereist waren. Nach und nach packte jeder seine Storys aus und ich muss sagen, es war eine ziemliche Chaostruppe, die nicht unbedingt mit Glueck ueberschuettet wurde die letzten Monate. Ein Paerchen, welches es schaffte insgesamt 7x ausgeraubt zu werden auf ihrem 3-monatigen Trip durch Zentralamerika (wobei das eher an Dummheit grenzte denn an Mangel an Glueck, wie ich durch Nachfragen herausfand), Mimi, der nun seinen 3. Flug finanzieren musste und mein absoluter Liebling: Sam, ein australischer Surfer, der schon x-mal durch Zentral- und Suedamerika gereist war und viele Ecken kannte wie seine Westentasche. Er war 6 Monate in Zentralamerika unterwegs und wollte in ein paar Tagen seinen Trip beenden und von Costa Rica zurueck nach Australien fliegen. Er hatte sich fuer seine letzten Tage einen super Surf Spot ausgesucht, einen einsamen Strand mit so gut wie keinen Touristen. Als er eines morgens um 6 wach wurde gab es einen Megaauflauf der Polizeispezialeinheit Costa Ricas- man fand den Waechter gefesselt und geknebelt und den Tresor geknackt und ausgeraubt - mitsamt Sams Passport, Kreditkarte, Flugticket. Das waer ja schon Story genug, aber als Sam nach der Adresse der australischen Botschaft in Costa Rica schaute FAND ER KEINE. Es gibt keine australische Botschaft in Costa Rica! Die einzige australische Botschaft in ganz Zentralamerika war in Mexico City! Er musste bei der kanadischen Botschaft betteln, dass sie ihm Uebergangspapiere und -visum fuer die Ausreise aus Costa Rica geben, um nach Mexico City zu fliegen. Dort hielten sie ihn 4 Stunden am Flughafen fest, weil er letztendlich nicht mehr ausgehaendigt gekriegt hatte, als ein einzelnes Blatt Papier mit ein paar netten Zeilen und dem Stempel der Botschaft. Nun sass er in dieser verdammten Jugendherberge fest und durfte diese nicht verlassen, bis die australische Botschaft in Mexico City all seine Papiere fertig hatte. Da alle Australier ausserdem ueber die USA ausreisen muessen (komische Regelung) brauchte er noch ein Visum fuer die USA, konnte dann endlich einen Flug runter nach Costa Rica nehmen und dann von dort aus endgueltig zuruekc fliegen. Tssss.. so tragisch das alles fuer ihn war- ich pinkelte mir fast ein vor Lachen... Die zwei liebreizenden Elanois (ich liebe Englisch mit franzoesischem Akzent!) und ich entschieden diesen Abend uns am naechsten Tag gemeinsam auf den Weg zu machen, um das Objekt unserer Begierde zu bekommen. Auf, auf! Die Schnipseljagd konnte beginnen... ![]() ... link (2 Kommentare) ... comment Bienvienidos a Mexico City
tinetunes, 23:19h
Ich krachte mein Zeug in die Ecke, stieg unter die Dusche und fuehlte mich danach fast wieder wie ein Mensch. Es war ca. 22.00 Uhr, ich war einigermassen fertig von der Busfahrt und der anschliessenden Lauferei quer durch das Gewusel Mexiko Citys und ueberlegte ob ich morgen nicht einfach mit voller Energie frisch in den Tag starten sollte. Ich oeffnete das Fenster meines komfortablen Schlafsaals (10 Personen auf 20m*m (tut mir leid Leute, aber die Tastatur haelt hier einige Tuecken bereit bzw. macht manches gar ganz unmoeglich..) und blickte direkt auf die atemberaubende Kathedrale und die riesige mexikanische Flagge, die den Vorplatz ueberspannte. Als... ich spitzte meine Ohren.. waren das nicht Trommeln die meine Membran zum Schwingen brachten?
![]() TROMMELN!!!!!!!!! Wenn Kaese Maeuse aus Loechern hervorlockt und eine Karotte vor der Nase eines mueden Pferdes hilft, dieses wieder auf Trab zu bringen, so genuegt ein einziger Trommelschlag, um mich vor dem Ofen hervorzulocken! Ich griff meinen kleinen Rucksack und sprintete runter auf die Strasse um herauszufinden wo die immer wilder werdenden Klaenger herkamen. Links, die Strasse herunter, rechts und die naechste Ecke wieder links- da waren sie: eine Gruppe Mexikaner, um die 30 Personen, zentriert um einen sich die Seele aus dem Leib trommelnden, langhaarigen Mitvierziger. Er trug wie viele von Ihnen ein rotes Band um die Stirn gewickelt und hatte seine Fussfesseln mit laermmachenden Rasseln geschmueckt. Alle stampften im gleichen Takt auf dem Boden rum, wirbelten im Kreis, puschten sich gegenseitig, wurden immer schneller. Ein grosser Schoenling in der Naehe des Trommlers schien dabei die Meute anzufuehren- er wartete mit den wildesten Bewegungen auf, seine Drehungen und Spruenge waren immer noch einen Zacker ueberschwaenglicher und energiegeladener. Er reagierte in Sekundenschnelle auf die Taktaenderungen der Musik und je nach Trommelschlag und Schnelligkeit passten er und die restlichen Taenzer ihre Fussfolgen an. "Was treibt diese Horde?" fragte ich einen der ebenso faszinierten Zuschauer. "Concheros! Concheros!" wisperte es. Was sich genau dahinter verbarg sollte ich erst aus spaeter folgenden Gespraechen mit (englisch sprechenden) Einheimischen erfahren: Diese Form des Tanzes hatte sich nach den spanischen Eroberungsfeldzuegen entwickelte und war eine Art, um alte Traditionen zu bewahren und alte Rituale zu pflegen. Fuer jeden Tanz gab es einen spezifischen Grund, man dankte den Goettern fuer eine gute Ernte, bat um Regen, etc. Jede Bewegung symbolisierte dementsprechende Bitten, Danksagungen, Ehrerbietungen. Dabei geht es nicht um das Tanzen allein, sondern vielmehr um das Wissen um alte Traditionen und der Suche und der Staerkung ethnischer Identitaet. Concherosgruppen sind daher auch eher hierarchisch organisiert: den Platz den die einzelnen Mitglieder in der Gruppe einnehmen, haengt vom jeweiligen Kenntnisstand der einzelnen Personen ab. Der grosse Schoenling war also sozusagen der weiseste der Gruppe und gab daher vor, welche Bewegungen auf welche folgten. ![]() Fasziniert schaute ich zu. Und liess mich anschliessend noch 2 Stunden lang von Concherosgruppen durch die Stadt treiben. Irgendwann landete ich wieder direkt vor der Kathedrale. Dort hatte sich eine Masse an Menschen angesammelt, eine Buehne war wie aus dem Nichts entstanden und breite Raggaeklaenge drangen aus fetten Lautsprecherboxen. Eine lokale Band verausgabte sich auf, die gut 250 Menschen vor der Buehne. Ich warf die Tasche beiseite und versuchte mit den ausschweifenden Hueftschwung der Maedels vor mir mitzuhalten (Anm. d. R.: keine Chance!). Eine von ihnen trug ein weisses, gehaekeltes Bikinioberteil und einen tiefliegenden Rock und bewegte sich so grazioes dass ICH schon Probleme hatte wegzuschauen und nicht zu sabbern. Ein paar Meter weiter starteten die Leute des soulfireprojects(.com) ihre Poi- und Feuershow. Die Band wollte sich verabschieden da Sperrstunde war, aber das Publikum liess nicht mit sich verhandeln - alle hatten sich so in Rage getanzt und schrien sich die Seele aus dem Leib, sodass selbst nach dem fuenften ONE MORE kein Ende in Sicht war. Der Saenger der Band hatte sich heiser gesungen, was dem Raggaesound noch zugute kam, doch schliesslich schwenkten sie um zu scheinbar gut bekannten mexikanischen Liedern. Die Menge tobte. Luis, einer meiner Kompagnions den ich auf der Strasse kennengelernt hatte, griff meine Hand und schleuderte mich ueber den Plaza. Vor, zurueck und tausend Drehungen zwischendrin, bis mir der Schweiss von der Stirn tropfte- im Nachhinein sagte man mir, dass ich jetzt Salsa tanzen gelernt haette. Ich tanzte und lachte, waehrend ich hoch in den sternenklaren Himmel schaute, der halb von der riesen mexikanischen Flagge in der Mitte des Plazas verdeckt war. Bienvenidos a Mexico City! ![]() ... link (0 Kommentare) ... comment Freitag, 7. Mai 2010
wesentliche Importgueter - unvollstaendig
tinetunes, 04:03h
Ach und bitte: koennen wir die lateinamerikanische Leidenschaft einmal importieren?
1. es gibt hier verdammt viele Paare 2. sie alle fallen sich in die Arme, kuessen sich und rollen sich ueber den Boden (gut, das hab ich bisher nur einmal gesehen) als haetten sie sich MONATE nicht gesehen! Hey- es ist Fruehling liebe Leut`s - ich hoffe ihr macht den Hispanics zumindest ein bisschen Konkurrenz in Deutschland! ... link (0 Kommentare) ... comment Mexikos San Francisco
tinetunes, 04:03h
Ich weiss nicht genau, was ich von Mexiko erwartet hatte, aber das war es definiv nicht: wahnsinnig saubere Plazas mit teils pompoesen Springbrunnen, auffallend viele gleichgeschlechtliche Paare und fesche Jugendliche, die entweder Marke Skatergirl/-boy (mind. 1 Piercing) waren oder direkt dem Leipziger Wave Gothic Treffen entsprungen schienen (mind. 3 Piercings). Als ich auf einer meiner Streiftouren durch die Stadt vor einem Strassenstand mit der Aufschrift "Gay Tacos" und der charakteristischen bunte Flagge stand, fragte ich meine neue Lieblingskiwine Amy: "Where the hell are we actually?"
Wir waren in Guadalajara. Ich hatte die mexikanische Grenze mit dem Bus ueberquert und mein Hintern war nach 29-stuendiger Fahrt platt wie eine Flunder. Eigentlich war die lange Fahrt ziemlich okay: ich musste mit keinem reden und hatte genug Zeit meine Wunden zu lecken (aufgrund der Umstaende war so etwas wie ein Happy End in Phoenix eh nicht zu erwarten, aber letztendlich endete alles sogar in einem totalen Fiasko..), 2 Sachen liessen mich jedoch mit einem eher zwiespaeltigem Gefuehl zurueck: 1. Grenzbeamte finden es defintitiv eher komisch und werden misstrauisch, wenn man als einzige Weisse in einem Bus voller Mexikaner die Grenze ueberquert. Eine mehr oder weniger kleine Fragestunde und exzessive Gepaeckkontrollen musste ich daher ueber mich ergehen lassen. Letztendlich dauerte alles aber nicht laenger als 1ne Stunde, was sich sehr im Rahmen hielt, da hatte ich schon ueblere Storys gehoert.. 2. Ich bekam keinen verdammten Stempel in meinen Pass geschweige denn ein Visum. Es war also weder ersichtlich, dass ich aus den USA aus-, noch, dass ich nach Mexiko einreiste. Ich diskutierte mit den Grenzbeamten, da der Typ mir am Phoenixer Airport eingetrichtert hatte, man wuerde einen Teil meines in meinen Pass eingetackerten Tourivisums wieder entfernen, wenn ich die Staaten verlasse. Beide Grenzbeamten schuettelten den Kopf und da keine/r meiner Mitreisenden seinen Pass gestempelt bekam, gab ich mich schliesslich geschlagen und beruhigte mich damit, dass sie doch wissen mussten, was sie tun (*and the award for being the most naive person on the planet goes to .... Kristin Reiss! Congratulations!!*). Nach meiner Ankunft in Mexiko fragte ich noch ein paar Leute diesbezueglich und alle winkten beschwichtigend ab, sodass ich mich fuer ein paar Stunden einem ignoranten Sicherheitsgefuehl hingab (Motto: Augen zu und durch), bis mir diese 2 Maedels aus Vermont in Mexico City beim Fruehstueck die Story eines Typens erzaehlten, den sie beim Reisen getroffen hatten: Er hatte die Grenze zu Fuss ueberquert und auch keinen Vermerk in seinen Pass bekommen. Als er schliesslich am Flughafen stand, um Mexiko zu verlassen und in seine Heimat Kanada zurueckzukehren, hielten sie ihn fest, sodass er seinen Flug verpasste. Seit wann er da waere fragte ich. November... Aaahhh.. Anscheinend zahlte er eine fette Gebuehr, erhielt die Ausreisegenehmigung und sollte heute nun endlich Mexiko verlassen duerfen. ... I think I need to figure something out... Soviel jedenfalls zur mehr oder minder geglueckten Einreise nach Mexiko. Amy und ich hatten fuer den folgenden Sonntag derweil entschieden, die autofreien Stunden von 10 bis 2 zu nutzen und mit dem Fahrrad durch die Stadt zu cruisen. Und wenn ich cruisen sage, dann meine ich cruisen. Uns blieb gar nichts anderes uebrig, denn mit den pornoesen Fahrraedern welche wir von der Jugendherberge gestellt bekamen, konnte man nur rumprollen. Wir entschieden uns fuer das entsprechende Outfit: Sonnenbrille mit tellergrossen Glaesern, Shirt jeweils einhergehend mit der Farbe des Gestells: Amy in Weiss, ich in Blau. Wir sahen wunderbar laecherlich aus & brachten uns mit unserem *way over the top-Stil* minuetlich selbst zum lachen (wer jetzt seinen Glauben an mich verliert hat wohl noch nie die Story der 100 Muetzen und Huete gehoert, die ich beim Hamburger Fundbuero ersteigerte...). Es ging also los auf die Strasse. Die vierspurige Avenida Mandro war komplett gesperrt und an jeder Kreuzung regelten Freiwillige den Verkehr. Ganz Guadalajara schien auf den Beinen (oder auf dem Hintern) und peste die Strasse entweder auf Skates, Longboards oder eben Fahrraedern entlang. Es war ein riesen Event und wir cruisten inmitten der Menschenmasse dem Stadtrand entgegen. Nach circa einer Stunde erreichten wir den Endpunkt dieser Route und strandeten bei einer kleinen Verkehrsinsel, die umrundet wurde von einem Dutzend Skater. Oberkoerper frei, taetowiert, gepierct, die Baggys knapp unterm Arsch haengend und alles in allem natuerlich sowas von coooool ;) Unser absoluter Favorit war geschaetzte 8 Jahre alt und steckte mit seinen Tricks all die Grossen locker in die Tasche. Er bewegte sich so selbstsicher zwischen all den Skateprofis hin und her, dass jetzt schon klar war: dieses Kid wuerde die Welt erobern! Muetter: gebt Acht auf eure Toechter bzw. Soehne (und: wenn jemals ein Kind- dann so eins! :) Amy und ich hingen ein wenig rum und liessen noch einwenig die Skaterkulisse auf uns wirken, als Amy es ziemlich auf den Punkt brachte: "I feel like I am somewhere in San Francisco but not somewhere in Mexico!" (wie sich spaeter herausstellen sollte wurde Gualadajara eben genau so, als San Francisco oder auch Beverly Hills Mexiko Citys betitelt - zumindest laut des Lonely Planets, den ich mir am Abend von einem Maedel aus dem Hostel lieh). Tja- so kam es also, auf der Suche nach der von Phoenix per Bus erreichbaren und moeglichst suedlich gelegenen Stadt in Mexiko war ich also in der Stadt der Reichen und Schoenen gelandet, naja, oder von anderer Warte her betrachtet: in einem der liberalsten Regionen des Landes. Amy und ich stiegen alsbald wieder auf unsere Fahrraeder, fuhren die Strasse ein Stueck weit zurueck und stiessen schliesslich auf eine andere Route, die ebenfalls komplett gesperrt war fuer jegliches motor-betriebenes Vehickel. In dem naiven Irrglauben, dass es sich um eine Rundtour handeln wuerde, die uns frueher oder spaeter ins Stadtinnere zurueckfuehrt, traten wir voller Tatendrang in die Pedale und erreichten 2 Stunden spaeter einen Park, der auch das Ende der Streck markierte und weit ab von gut und boese lag. Sackgasse. Unsere Fragen wie wir denn am besten das Stadtzentrum erreichen koennten, quittierte mensch entweder mit einem hilflosen Schulterzucken oder mit einem "Oh no" gefolgt von dem Hinweis, dass dies enorm weit weg sei. Dumm auch, dass es 5 vor 2 war und exakt wenige Minuten spaeter alle Absperrbaender und Hinweisschilder entfernt wurden, die vorher den Weg markiert hatten. To tell a long story short: Wir kamen gegen 7 in der Stadt an, hatten drohende Hupgebaehrden souveraen ignoriert und alle Beinahunfaelle knapp vermeiden koennen, waren hundemuede, aber zumindest ich war super zufrieden (Amy murmelte etwas von nie wieder Fahrrad fahren) - nachdem ich ueber 24 Stunden in einem Bus verbracht hatte, war es eine wahre Wohltat gewesen, einen kompletten Tag auf einem Drahtesel zu verbringen und sich zu bewegen. Ich verbrachte noch 2 weitere Tage in Gualdajara und versuchte vor allem meine nicht vorhandenen Spanischkenntnisse an die Frau und an den Mann zu bringen. Mit folgenden Resultaten: 1. Als ich den 3 suessen Damen eines mexikanischen Restaurants erklaerte, dass ich Vegetarierin sei und daher kein Fleisch esse, servierte man mir verstaendnisvoll ein ueberdimensionales Huehnchen (unter dessen toten Koerper man nach laengerem Suchen sogar ein paar Reiskoerner ausfindig machen konnte). Anmerkung hierzu: Ich liess mir sagen, dass dies weniger an meinen katastrophalen Sprachkenntnissen lag als vielmehr an dem weit verbreitetem Unverstaendnis bezueglich des Konzeptes des Vegetariertums. Die naechsten Tage lernte ich alle moeglichen Fleischsorten auswendig.. SIN carne SIN pollo SIN ... Ich werde zumindest keine Entscheidungsprobleme beim Essen haben. Zwischen 3 uebrig gebliebenen Gerichten kriege ich das definitiv hin mit der Qual der Wahl. 2. Als ich nach den Toiletten fragte, wurde ich in die Kueche an ein Waschbecken gefuehrt ("Aehm.. wirklich? So funktioniert das hier also?" :) 3. anstatt Briefmarken zu erwerben, hielt ich auf einmal Streichhoelzer in der Hand. TOURISTISCHER KOENNTE MAN SICH MOMENTAN ALSO NICHT AUFFUEHREN! (gut, ich trug noch keine Socken in den Sandalen). Ich bemuehte mich, immer relativ schnell klar zu machen, dass ich aus Deutschland und zumindest nicht aus den Staaten kam - MexikanerInnen scheinen dann gleich noch ein Stueck weit geduldiger und nachsichtiger mit einem. Zumindest managte ich es, den richtigen Bus zu erwischen und machte mich Dienstagmorgen auf nach Mexiko City, 7 Stunden suedoestlich von Guadalajara. ... link (0 Kommentare) ... comment Leben und Sterben in den Hot Springs 2
tinetunes, 04:02h
Das musste ein Witz sein! In meinem Zustand war ich weder in der Lage zurueck zum Auto zu kommen noch die Stunden bis zu Sonnenaufgang bibbernd in meinen nassen Klamotten zu verbringen. Schnell rannte ich zur zweiten heissen Quelle, die einige Meter entfernt lag und von einer Steinmauer umgeben war. ·!%* sei Dank! Die kleine Grotte war noch bis zum Rande gefuellt. Jetzt verliess mich entgueltig jegliche Energie, ich schluepfte noch schnell aus meinen Klamotten, liess mich in das heisse Wasser gleiten & merkte, wie sich jede Pore meines Koerpers verabschiedete. Circa eine halbe Stunde war ich noch damit beschaeftigt eine Position zu finden, die mich im schuetzenden Nass hielt, mich aber gleichermassen davor bewahrte einfach unterzugehen und zu ertrinken. Ich konnte nicht einmal mehr aufrecht sitzen. Die letzten Tage die nie mehr als 2 oder 3 Stunden Schlaf fuer mich bereit hielten sowie der Jetlag machte sich jetzt gnadenlos bemerkbar und in mir bereitete sich eine derartige Muedigkeit aus, dass ich nur noch in der Lage war, meinen halben Oberkoerper irgendwie auf dem kuehlen Stein zu halten, waehrend der Rest meines Koerpers einfach im Wasser hing.
Dann starb ich. Hehe, offenkundig nicht im biologischen Sinne, aber das was sich in dem Moment in jeder einzelnen Zelle meines Koerpers abspielte, war genau das, was ich mir unter Sterben vorstellte. Ich liess einfach los und gab mich meinem Schicksal hin, was sehr angenehm war (ganz abgesehen davon, dass es das einzig moegliche war, was ich in dieser Situation machen konnte). Ich weiss nicht, wie lange ich so im Wasser trieb. Branden schien es jedenfalls aehnlich zu gehen, denn bei jedem Versuch aufzustehen packte ihn eine unbestimmte Kraft, knallte ihn gegen die uns umgebenden Steinmauern und warf ihn zurueck ins Wasser. Waere ich nicht so kraftlos gewesen, haette ich mich bestimmt totgelacht darueber. So nahm ich seine Stehaufmaennchenversuche jedoch nur in einer hinteren Ecke meines Gehirns war und war ansonsten eigentlich nur mit einer Taetigkeit beschaeftigt: WARTEN AUF DEN SONNENAUFGANG. Es schienen Stunden zu vergehen, als Branden urploetzlich mit seinem Finger gen Himmel wies. Die Bewegung kam so abrupt, dass sie mich komplett aus meiner Lethargie riss. Ich hob meinen Kopf um zu erspaehen, was seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte: ein wahnwitzig leuchtender Punkt sprang dort oben am Firmament hin und her - zu schnell fuer einen Stern, zu wirr fuer einen Satelliten. Wir verloren seine Spur als er hinter der Mauer verschwand, also rafften wir uns auf, schafften es irgendwie aus unserem nassen Zuhause der letzten Stunden heraus und standen wieder auf der offenen Empore, direkt ueber dem reissenden Fluss, den wir noch vor ein paar Stunden ueberquert hatten. Es war immer noch ziemlich dunkel, aber ein paar Voegel schienen den nahenden Morgen anzukuendigen. Wir folgten dem sich wild am Himel bewegenden gluehenden Klumpen bis er hinter den Bergen verschwand und uns mit Fragezeichen im Gesicht zurueckliess. Wir waren von den Toten auferstanden: mein Koerper schien auf wundersame Weise regeneriert und wir streunten aus, um unsere Umgebung zu entdecken, alles anzufassen und uns wieder ganz auf die Natur einzulassen. Dann fiel mein Blick auf den aeusseren Badezuber: er war wieder bis oben hin gefuellt und wir tauchten ein, um auf den Sonnenaufgang zu warten und das spektakulaerste Farbenspiel ueberhaupt zu erleben. Ich hatte einen der schoensten Trips meines Lebens und war genau dort wo ich sein wollte: rausgeplumpst aus jeglichem Alltag, frei von jeglichem Denken und Planen. Ich hatte keine Ahnung welcher Tag war, wie spaet es war, was morgen, uebermorgen oder in den naechsten Tagen und Wochen kommen wuerde. Ich war einfach nur draussen in der Natur und keine Sekunde woanders als im Hier und Jetzt (wer dies konstant auf die Reihe kriegt, moege mich bitte einweihen in das Mysterium). Als kurz nach Sonnenaufgang ein nacktes junges Paerchen mit seinen 2 Hunden aufkreuzte, muessen wir ein ziemlich eindeutiges Bild abgegeben haben: einander umarmend, mit einem verdaechtig breitem und mehr als zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht, das Kinn auf den Steinboden abgestuetzt, mit einem leicht verklaerten Blick gen Osten und leicht grotesken, sehr minimalen Bewegungen... Die beiden liessen sich nichts anmerken, begruessten uns euphorisch und stiegen zu uns ins warme Nass. Als ich ihn noch einmal genauer betrachtete, wurde mir klar, dass ich ihn bereits gesehen hatte: er war die eine Haelfte eines zum Schiessen komischen Wandererduos gewesen, welches wir gestern auf unserem Rueckweg von den Hot Springs getroffen hatten. Er: klein und unfoermig mit einem Bauch, der nur erahnen liess was sich darunter befand (nicht dass ich es so genau wissen wollte), sein Ruecken nur durch einen Rucksack bedeckt und ansonsten komplett wie Gott ihn schuf, nur noch mit einem Wanderstock ausgestattet. Sein Kampagnion: gross und hager, in kompletter Wuestenmontur, natuerlich tarnfarben, mit langen Aermeln, langen Shorts und einem uebergrossen Cowboyhut. Ein wunderbares Bild, welches ich fuer ewig in meinem Gedaechtnis verwahren werde... Er und seine augenscheinliche Freundin waren auf jeden Fall zwei ein wenig skurile, aber auf jeden Fall sehr sympathische Gestalten. Als wir sie fragten warum um alles in der Welt sie schon so frueh hier bei den Hot Springs waren, erzaehlten sie eine Story, die mich drei Kreuze machen liess, dass wir diese Nacht nicht versucht hatten, zurueck zum Camp zu finden. Man muss sich nochmal in Erinnerung rufen, dass dieser Platz ziemlich fernab von jeglicher Zivilisation ist. Wilde Camper schlagen hier ihr Lager auf, aber ansonsten gibt es hier eigentlich keine Bewohner dieses Region. Ausser Sam. Ich hatte Sam nicht selbst getroffen, aber Branden hatte mir vorher schon erzaehlt, dass er sozusagen das Urgestein dieser Region war, der seit Jahren ueber die Hot Springs wachte. Irgendwo in den Bergen hatte er wohl auch ein kleines, zerfallenes Haus, welches er bewohnte. Ansonsten hielt er sich meistens rund um das umzaeunte Gebiet auf, welches wir auf unserem Weg zu den Hot Springs passierten. Die Beschreibungen die mir die anderen zu Sam lieferten liessen in mir nicht unbedingt den Wunsch erwecken, ihm jemals ueber den Weg zu laufen und das was sich da diese Nacht unten im Camp abgespielt hatte, verfestigte meinen Eindruck nur noch. "We got awake at 4 in the morning because somebody was shouting like hell! Sam this bastard was standing in front of 3 kids and screamed the shit out of them!" erzaehlte unser aeusserst aufgebrachter Nuddistenhobbit. Die Story musste sich ungefaehr so zugetragen haben: 3 Jungs waren wohl schon gestern im Camp aufgekreuzt und irgendwie mussten sie versucht haben, auf das umzaeunte Gelaende zu kommen. Dabei beschaedigten sie das Schloss anscheinend so schwer, dass Sam, der fruehmorgens dort rauf wollte, um zu schauen das alles in Ordnung ist (und um anscheinend den Wasserfluss zu den Hot Springs zu regeln - fragt mich nicht, wie das funktionierte, aber irgendwie schien das miteinander in Verbindung zu stehen) das komplette Ding auseinandernehmen musste und ueber eine Stunde nicht rein kam. Ende vom Lied (please remember: we are in wonderful ARIZONA): SAM griff sich die Jungs UND seine Knarre und schrie geschlagene 45 Minuten den kompletten Platz zusammen. Die Jungs mussten auf die Knie gehen und bettelten wohl minutenlang um Gnade. Ich traute meinen Ohren nicht. "Warum hat keiner die Polizei gerufen?" fragte ich und bekam nur ein muedes Laecheln. "These are the Hot Springs. There will be no police coming down to impose law and order". Das schlimmste war, das sogar die Meinung herrschte, dass es Sams gutes Recht war, seine Knarre zu ziehen und fuer Recht und Ordnung zu sorgen. Wenn nicht er- wer sonst? Tja liebe Freunde, willkommen in den Staaten, willkommen in Arizona, dem Staat in dem es sogar ein Grundrecht ist, seine geladene Waffe mit in die Bar zu nehmen. Willst du als Restaurant-/oder Barbesitzer nicht, dass deine betrunkenen Gaeste irgendwann wild in der Gegend rumschiessen, dann bringe bitte ein Zeichen aussen an (aehnlich dem NO SMOKING-Zeichen), welches darauf verweist. Branden und ich packten wenig spaeter unsere Sachen, machten uns auf denn schier endlos dauernden Rueckweg (also runter waren wir immer noch nicht) und brachen nach einer Muetze Schlaf in Richtung Grand Canyon auf. Zwei Tage spaeter hiess es: I am out of here! ... link (0 Kommentare) ... comment Montag, 3. Mai 2010
Leben und Sterben in den Hot Springs 1
tinetunes, 03:35h
Branden und ich lagen seit einer halben Stunde im Sand & konnten nichts weiter machen als lauthals dem Sternenhimmel ueber uns entgegenzuprusten. Ich versuchte mich auf etwas anderes zu konzentrieren, da ich langsam schon gar keine Luft mehr bekam. Wie er es hinbekommen hat diesen Horror-Serpentinen-Weg mit seinen tausend Schlagloechern oder vielmehr -graeben zu meistern, war mir ein echtes Raetsel. Ich hatte die ganze Zeit das Gefuehl, dass wir zwischen dem Geroell unkontrolliert hin und her schwammen und durch eine unbestimmte Kraft die Huegel hoch und runter gezogen wurden. Aber Brandens Aussage, er haette das Gefuehl, er waere in einem spektakulaerem Videospiel gelandet, wies zumindest daraufhin, dass er sich noch als einflussnehmender Spieler in diesem ganzen Szenario sah. Letztendlich erreichten wir auch den Highscore, fuhren irgendwie so am Abgrund lang, dass wir ohne *Restart the game*-Button auskamen und mit dieser Erkenntnis, wurde auch noch die letzte zweifelnde Ecke in einem weit entfernten Teil meines Gehirns auf Standby gesetzt.
Wir rollten uns noch einmal quer ueber den Boden und entschlossen uns aufzubrechen. Schliesslich war es schon 1 Uhr nachts & wir hatten noch einen ziemlich weiten Weg vor uns. Wir waren die Strecke schon einmal gelaufen und so hatte ich zumindest den Hauch einer Hoffnung, dass wir uns nicht komplett in den Bergen bzw. in der angrenzenden Wueste verlaufen wuerden. Wir waren bei den Hot (Fossil) Springs in Camp Verde, 3 Stunden noerdlich von Phoenix, Arizona und in der Naehe von Staedten mit so wundervollen Namen wie Strawberry und Sunflower. Nachdem Branden seinen ersten Ueberraschungsschock ueberwunden hatte, wir gemeinsam durch Phoenix gestreift waren und uns die Ohren vollgequatscht hatten, brachen wir Montagabend hierher auf und waren schon einmal den langen Weg zu den Hot Springs hochgepilgert - eine kleine Quelle, die in 2 winzigen Steinbaedern muendet, eingelassen in den Boden einer schmalen Empore hoch oben in den Bergen. Von hier hatte man einen grandiosen Blick auf die vielfaeltige Vegetation & den direkt davor liegenden, reissenden Fluss. Es gibt Geruechte, dass dies ein geheimer Treffpunkt bekannter Hippiegroessen in den 60er und 70er Jahren gewesen sei. Den Steinbemalungen nach zu urteilen gab es hier auf jeden Fall einige, die *Love, Peace and Insanity* als oberste Lebensmaxime heraufbeschworen (hatten). Auf jeden Fall war es ein exquisiter Platz, der aufgrund seiner Abgeschiedenheit und der eher schwierigen und langwierigen Anreise alles andere als ueberlaufen war. Man traf hier eher auf wilde Camper, die eine wahnwitzige Story nach der naechsten aus dem Aermel schuettelten. Einem solchen sympathischen Camperpaerchen in den 40ern hatten wir zu einem grossen Teil auch den Verlauf unseres heutigen Abends zu verdanken. Als wir uns gestern von uns verabschiedeten drueckten sie uns noch breit grinsend ein paar Pilze in die Hand, die wir natuerlich dankend entgegen nahmen (aus Indien hatte ich mir angewoehnt Geschenke NIEMALS abzulehnen! :) Der Plan war fix klar: wir hatten noch ein paar Sachen in Phoenix zu erledigen, wuerden dann aber schnurstracks zurueck kehren um die Hot Springs bei Nacht zu erleben und weiter in Richtung Grand Canyon zu pilgern. Geplant, getan. Mittlerweile hatten wir gut die Haelfte der Strecke zuruckgelegt und befanden uns am Schneidepunkt unserer Wuestenwildniswanderung. Die riesen Baeumen mit ihren bis zum Boden haengenden Schlingpflanzen hatten uns bereitwillig Platz gemacht, die Kakteen mit ihren, wie es schien immer zum Salut bereiten Stachelarmen hatten uns vielmehr sogar noch den Weg gewiesen, aber der reissende Strom vor uns schien uns eher weniger wohlgesonnen und spuckte wilde Drohungen aus. Jetzt hiess es: volle Konzentration! Wir schluepften aus unseren Schuhen und visierten das 10 m entfernte Ufer im Dunkel an. Schritt fuer Schritt tapsten wir auf den glatten und rutschigen Steinen vorwaerts bis wir knietief im Wasser standen. Das Wasser peitschte gegen unsere Beine und haette ich mich nicht an Branden festgehalten, waere ich schon laengst mitgerissen wurden. Branden hatte aufgrund seiner Groesse noch einen gewissen Vorteil, aber auch er hatte ziemlich zu kaempfen und verlor Sekunde um Sekunde an Boden. Schliesslich steckten wir fest. Wir mussten alle Kraft darauf verwenden, nicht fortgerissen zu werden und konnten uns keinen Zentimeter mehr zur Seite bewegen. Dafuer rutschten wir immer weiter flussabwaerts und entfernten uns von der Stelle, die gerade noch geeignet zu sein schien ohne groessere Schuerfwunden ans Ufer zu gelangen. Fuer einen Moment sah ich uns den Kampf gegen die Naturgewalt schon verlieren und mit der Stroemung mitgezogen werden, als mir irgendeine innere Stimme befahl mich um die eigene Achse zu drehen. Ich glitt noch einen Schritt nach hinten, wirbelte herum und zog Branden mit mir. Von einer Sekunde zur naechsten aenderten sich die Energiestroeme und die Natur schien nicht mehr gegen uns zu arbeiten, sondern entliess uns sanft auf die andere Seite. Ich war fix und fertig. Meine Stimmung hatte sich von *lass uns eins mit der Natur sein* hin zu *lass uns das hier ueberleben* entwickelt. Jegliches Stueck Stoff an meiner Haut trifte vor Wasser und die naechtliche Kaelte kroch mir den Ruecken hoch. Ich war in einem kompletten Survivalfilm gefangen und ratterte im Kopf einige Loesungsstrategien ab. Wechselklamotten? Keine dabei. Decke? Natuerlich nicht. ETWAS ZU ESSEN? Wir hatten noch einen halben Liter Wasser... Nach einer weiteren halben Stunde Fussmarsch erreichten wir endlich die Hot Springs. Doch ich traute meinen Augen kaum: Der erste Badezuber war bis auf eine 10cm Pfuetze komplett leer! ... ... link (1 Kommentar) ... comment Donnerstag, 29. April 2010
"What the hell are u doing here?" Tja, wenn ich das wuesste...
tinetunes, 23:20h
"Wanna drink something?" Ehe ich mich versah hatte ich eine eisgekuehlte Coke in der Hand und war dabei sie runterzustuerzen. Ich hasse Cola, aber in diesem Moment kam es mir vor, als gaebe es nichts erfrischerendes und schmackhafteres auf der Welt als dieses Zuckergesoeff. Vor meinem inneren Auge lief der perfekte Werbespot ab: ich, verschwitzt und reichlich fertig an dieser Strassenecke irgendwo in Phoenix - ein Platz, den man eigentlich eher nach Mexiko als nach Amerika stecken wuerde, wo man mit Spanisch weiter kommt als mit Englisch... Und diese rettende Cola, die erloesend meine verstaubte Kehle runterran. Und auf einmal wurde laute Musik aufgedreht und die zerfallenen Haueser um mich rum erstrahlten in gleissendem Licht, die ueberall herumstehenden und mehr als skeptisch dreinblickenden Kleingruppen von Menschen loesten sich aus dem Dunkel der Strasse und fingen an ausgelassen und froehlich zu tanzen.. "So- again: What the hell are u doing here? Do you know where u actually are? This isn't a good place to be - especially not for a girl like u and especially not around this time!" riss mich Emanuel aus meinen Gedankenspinnereien. Ich schaute ihn an und seufzte. Das hoerte ich bereits zum dritten Mal & ich wusste, dass er Recht hatte; dass sie alle Recht hatten! Aber ich musste diese verdammte Adresse finden.. 2009 S 11th street - das musste doch genau hier sein! Nach ueber 2 Stunden herumirren hatte ich einfach bei jemanden an der Tuer geklopft, in der Hoffnung, hier kennen sich die Nachbarn untereinander. Nun stand Emanuel nebst seiner kompletten Familie mit mir auf der Strasse und versuchte herauszufinden, wo das entsprechende Haus zu finden sei. So langsam hatte ich den Glauben daran verloren, dass diese Adresse wirklich existierte, denn ich war die south 11th street schon 2mal hoch und runter gelaufen und hatte sogar das am Ende der Strasse liegende Industriegebiet zusammen mit 3 aetzend klaeffenden Koetern durchstreunert, die mich den ganzen Weg ueber verfolgten (eher weniger um mich netterweise im Dunkeln zu begleiten, sondern um ihr Revier zu sichern. Innerlich bereite ich mich schon auf eine neue Narbe in meiner Wade vor und machte 3 Kreuze, dass ich mich dann doch noch entschlossen hatte, die Auslandskrankenversicherung abzuschliessen. Am Ende liessen sie sich dann doch immer wieder durch boeses Fauchen dazu bewegen, ausreichend Sicherheitsabstand zu wahren..).
Waehrend ich weiter gedankenversunken an meiner Cola nippte, war mein neuer Freund und Helfer bereits rege dabei, dass Suchproblem anzugehen. Ein Hoch auf die heutige Technik! Mittels des integrierten GPS-Systems seines Mobiltelefons wollte er die genauen Koordinaten der Adresse ermitteln und stiess auf den entscheidenden Fehler: "Hey- this isn't the right adress! It must be 2009 N 11th street and not S for south!" Das erklaerte einiges. Die Adresse die ich suchte, war damit fast am komplett anderen Ende der Stadt. Emanuel bot an, mich dort mit dem Auto hinzubringen. Ich mochte ihn von der ersten Sekunde an & zoegerte daher keinen Moment, sein Angebot anzunehmen. Wir stiegen also in seinen Pick Up (Vorurteil definitiv bestaetigt - ich habe hier noch kein einziges Auto gesehen, welches auch nur annaeherend den Anschein machen wuerde umweltfreundlich zu sein, dafuer aber Dutzende, die anscheinend dafuer gebaut wurden, auch im Falle eines spontanen Kriegsausbruches fuer alle Eventualitaeten ausgestattet zu sein), seine juengeren Brueder kletterten auf den Ruecksitz und los ging es... Auf der Fahrt quetschten die 3 mich natuerlich bis aufs kleinste Detail aus... Was mich denn ausgerechnet nach Phoenix verschlage? Fuer diese Stadt habe ich den weiten Weg nach Deutschland auf mich genommen? Zweifelnde Gesichter. Also versuchte ich in Kurzform zu umreissen wie es hierzu gekommen war. Das ich mir gerade ein paar Monate Zeit genommen habe, um endlich wieder zu reisen, dass ich Mexiko und Guatemala sehen wollte und mit einer Freundin wahrscheinlich Brasilien bereisen will. Da ich aber auch einen guten Freund habe, welcher hier in Phoenix und damit ziemlich nah an der mexikanischen Grenze lebe, wollte ich diese Gelegenheit nutzen und meinen Trip hier starten, um ihn zu besuchen. Warum er mich dann nicht vom Flughafen abgeholt haette, fragte Emanuel, er an seiner Stelle wuerde das tun. Ich musste leicht schmunzeln und biss mir auf die Lippe. "Well, it's a little bit complicated" antwortete ich ausweichend. "Actually he does not know that I am here to visit him." "HE DOES NOT KNOW IT???" Emanuel fuhr dem Fahrer vor uns fast hinten drauf. "Jesus! You just arrived here without telling him this? But what happens if he is not there? What are u going to do then? What are WE going to do then?" Emanuel blickte mich halb besorgt, halb belustigt an. Ich musste lachen. "Darueber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist", meinte ich zu ihm. Und dass er sich deswegen keinen Kopf zu machen braucht, schliesslich sei es nicht sein Problem. Aber als ich mich dabei zu ihm umdrehte, wusste ich, dass er sich laengst so verantwortlich fuer mich fuehlte, dass er mich nicht irgendwo entlassen wuerde, ohne das Gefuehl zu haben, dass ich sicher aufgehoben bin. Ich fragte mich, ob ich bereits in meiner ersten Nacht wieder mit Mutter und Kindern in einem Bett unterkommen wuerde- diesmal bloss bei einer mexikanischen und nicht einer indischen Familie. Wir fuhren & fuhren & quatschten & quatschten bis uns an der Ampelkreuzung ein Polizeiauto gegenueber stand. Ich bemerkte, wie Emanuel anfing, unruhig auf seinem Autositz hin & her zu rutschen. Ob alles in Ordnung sei, fragte ich. Er antwortete mit einer unbestimmten Kopfbewegung, welche meine Aufmerksamkeit von seinem Gesicht zurueck zum Polizeiauto wandern liess. "The police", zischte er zwischen sienen Zaehnen hervor. Ob es fuer ihn da ein Problem gaebe, hakte ich nach. "Ja, mehrere" meinte er. Zum einen funktioniere sein Blinklicht nicht, was Aufmerksamkeit auf sich ziehen koennte. Und zusammen mit seinem eindeutig lateinamerikanischem Aeusseren ein ziemliches Risiko fuer ihn sei. "You need to know that I am here illegally and that therewith I always need to take care, that I am not catched by the police". Die Stimmung gegenueber der grossen Anzahl illegaler Einwanderer habe sich mit dem vor 2 Tagen verabschiedeten Gesetz *SB 1070* nochmals verschlechtert. Dieses Gesetz erlaubt PolizistInnen, allein aufgrund eines bestimmten Auesseren einer Person (also vor allem augenscheinliche 'Hispanics') auf Verdacht an- und festhalten zu koennen. Hat diese Person keine Papiere dabei, hat die Polizei das Recht, sie sofort festzunehmen und ins Gefaengnis zu stecken. Vor diesem Gesetz war es erst moeglich die Aufenthalts- oder Einreisegenehmigung einer Person zu ueberpruefen, wenn der Verdacht auf eine weitere Straftat bestand. Gerade werde das Gesetz nochmal geprueft, denn wie Chris Newmann, Verantwortlicher des National Day Laborer Organizing Networks, betont, begruendet dieses Gesetz "a complete disregard for the nonwhites in Arizona. It criminalizes undocumented status and turns dishwashers, janitors, landscapers and our neighbours into criminals plus it effectively mandates racial profiling". Das Polizeiauto faehrt an uns vorbei und wir alle atmen erleichtert auf. Wieviele illegals es ungefaehr gebe in Phoenix, frage ich. So genau wisse man das natuerlich nicht, aber es wird geschaetzt, dass es ca. eine halbe Million Menschen sind, sagt er und deutet froehlich auf eine Schule am Strassenrand, welche er die letzten paar Jahre besucht hat. Dann faengt er wieder an, unruhig auf seinem Sitz hin und her zu rutschen. Als er bemerkt, dass ich ihn wieder fragend anschaue, erklaert er: "We are almost there. I am so excited. How long haven't u seen each other u said? Over a year? Oh my god, hopefully he is there. And how will he react? Oh my god, this is so exciting!" Emanuel macht mir damit wieder bewusst, warum ich eigentlich in diesem Auto sitze. Wir biegen in die N 11th street ein und so langsam frage ich mich auch, ob das hier eigentlich so funktionieren wird, wie ich mir das vorstelle. Wir parken sein Auto am Strassenrand und laufen die Haeuser ab. 2009 N 11th street. Das ist es. Das kleine Haus liegt im Dunkeln, die Jalousien sind zugezogen. Ich sehe keine Klingel und klopfe an der Tuer. Warte. Klopfe nochmal. Ein Rascheln, ein Licht, Schluesselgeklimper und ein vertrautes Augenpaar, welches mich auf einmal durch einen einen Spalt in den Jalousien anschaut und dann Brandens Stimme: "What the fuck? You must be kidding me!"... ... link (0 Kommentare) ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2010.09.03, 21:47 status
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Menschenrechte in Mexiko
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So, das ist doch nochmal gut gegangen... Im Juni war... by tinetunes (2010.08.28, 20:47) Käffchen...
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Wow danke Johnny- schau da gleich die Tage mal rein.... by tinetunes (2010.08.17, 04:57) |
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